City Bahnhof – die Pflöcke sind gesetzt

Es war nicht anders zu erwarten, in Sachen City-Bahnhof Ulm geht es genau so weiter, wie es die Verwaltung von Anbeginn wolte.

Aus Reihen der CDU kam schon der Tip, dass man doch unbedingt die Vorgaben so festzurren möge, dass auch bei einem möglichen Politikwechsel nichts mehr daran zu rütteln sei.

Unkenrufe???

Oder schwingt da doch vielleicht die Angst mit, eine Entscheidung entgegen des Bürgerwillens getroffen zu haben – trotz enorm großem Bürgerbeteiligungsaufwand?

Zur Info hier die Forderungen der Grünen Fraktion:

Citybahnhof Ulm zur Sitzung FB StBUam 21.03.2012

Zunächst ist es sehr erfreulich, das das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung das Projekt City-Bahnhof Ulm als ein Pilotprojekt zur Bürgerbeteiligung mit 53.000 € bezuschusst hat. Umso grösser ist auch die damit verbundene Verantwortung einer möglichst neutralen Moderation und Dokumentation zu bewerten.

Bei der Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der 1. Dialogphase wird bei fast allen Foren als Fazit eine durchgehende Passage auf Ebene -1 als erstrebenswert angegeben. Was – wen wundert es – natürlich auch den Zielsetzungen der Stadt Ulm entspricht. Lediglich beim Internetforum, das sich am ehesten einer Steuerung durch die Moderation entziehen kann, wurde die „Anordnung der Passage auf Ebene -1 oder Eben +1 kontrovers diskutiert“.

Bei der Vorbereitung zum runden Tisch ist Beteiligten der Bürgerwerkstatt bewusst geworden, dass auf den Entwurf des Tübinger Büros Hähnig und Gemmeke, mit der Überführung überhaupt nicht eingegangen wurde, da er mit seinen Qerungen der Gleise auf E +1 UND E -1 für nicht funktional gehalten wurde.
Es wurde nicht darauf eingegangen, dass die Vorgaben der Wettbewerbsausschreibung eine Unterführung zwingend gefordert haben und ein nicht Darstellen derselben zum Ausschluss geführt hätte. Es wurde auch nicht in Erwägung gezogen, dass im Hinblick auf diese Zwänge, dieser Entwurf auch ohne die Unterführung hätte betrachtet werden können. Dass er auch ohne die Unterführung funktioniert hätte. Und dass somit die Kritik eines „erzwungenen Ebenenwechsels“ ad absurdum geführt worden wären.
Nicht die Ebene +1 ist unnötig, vielmehr ist es die Ebene -1.
Als beim runden Tisch von der Sprecherin des Bürgerforums mehrfach darauf hingewiesen wurde, auch mit der Bitte, das im Protokoll aufzunehmen, wurde das schlichtweg ignoriert.

Stichworte aus der Dokumentation der Foren und des runden Tisches, die ich in der Zusammenfassung der Verwaltung vergeblich gesucht habe:

– wichtige Punkte waren immer Sicherheit, Wegeführung und Orientierung
– Blickbeziehung zur Stadt
– Stadt erleben
– Münsterturm sehen
– hohe Fussgängerqualität, oberirdisch

– unbelebter toter Raum
– zu viel Unterführungen
– toter Raum
– Angsträume

– Oberirdische Querung der Friedrich-Ebert-Strasse
– Der Westteil der Passage sollte ebenfalls hell und licht sein

und immer wieder:
Passage braucht Licht, sie muss hoch und breit genug sein, sie soll mit Leben erfüllt werden (Geschäfte, Ausstellungen, Aktionen, Licht – und Wasserinstallation)

Eine weitere Forderung aus dem Forum Wirtschaft und Gesellschaft: „Ein ebenerdiger Fussgängerübergang direkt aus der Bahnhofstrasse ist vorzusehen.“

Speziell aus der Internetdiskussion sind die Anregungen der BürgerInnen zumeist ungefiltert und alles Andere als Pro Unterführung. Vielmehr wird deutlich, dass fernab der, durch Fachinformation und wirtschadtlichkeitsspekulationen sehr eingeschränkten Diskussionsspielräumen bei den moderierten Foren, ein ganz natürlicher Wunsch nach einem klar und einfach organisierten City-Bahnhof laut wird.

Dabei steht auf Platz 1 und 2 die Absenkung der Friedrich-Ebert-Strasse. Autos nach unten, Fussgänger, Rad- Bus- und S-Bahnverkehr nach oben.
Auf Platz 3 ein grüner Bahnhofsvorplatz und auf Platz 4 ein Verzicht auf Unterführungen.

Für viele BürgerInnen ist nicht nachvollziehbar, warum man nicht den einfachen, naheliegenden Weg wählt, oder wenigstens weiter in der Diskussion behält:

Eine ebenerdige Überquerung der Friedrich-Ebert-Strasse, die verkehrsreduziert wird (2-spurig), eine repräsentative Bahnhofshalle, die in eine Brücke über die Gleise führt, mit Zugängen zu den Gleisen und an einem entsprechenden Gebäude als Westzugang endet.

Es ist offensichtlich, dass aufgrund vieler Zwänge nun versucht wird das Beste daraus zu machen, ohne das Naheliegende dabei immer wieder mit einzubeziehen. Es wirkt verkrampft und erzwungen.

Der unterirdische Durchgang wird keine Ladengeschäfte haben, er soll von der Bahn als Träger finanziert werden, womit man davon ausgehen kann, dass er sicherlich nicht in der gewünschten Hochwertigkeit erstellt werden wird. Wurde uns nicht immer wieder gesagt, die Bahn braucht hier keine Repräsentanz. Sie bräuchte eigentlich lediglich eine Schalterhalle….

Es ist schon verwunderlich, wie die Verwaltung bei fast all diesen Foren immer zu dem Schluss kommt „Beibehalten der bisherigen Zielsetzung“. Es ist aus unserer Sicht nicht richtig, die naheliegende Lösung, wie sie annähernd beim Entwurf Hähnig und Gemmeke vorgeschlagen wurde, nicht im weiten Verfahren in Betracht zu ziehen.

Zu den einzelnen Punkten der Sachdarstellung können wir nicht im Block zustimmen. Es muss einzeln abgestimmt werden:

5.1
nein, es soll die Möglichkeit einer E+1-Erschliessung auf Grundlage des 2.Preises aus dem Ideenwettbewerb ebenfalls beim Realisierungswettbewerb zugelassen werden. Die Erschlisseung der Sedelhöfe spielt eine zweitrangige Rolle und kann ebenfalls sehr gut und attraktiv ebenerdig erfolgen

5.2
nein, auch hier soll die Möglichkeit einer, ausschliesslich ebenerdigen Überquerung der Friedrich-Ebert-Strasse weiter im Spiel bleiben. (dann spielt der Erwerb des Geb. Bahnhofsplatz 7 auch keine so grosse Rolle mehr)

5.3
ja, attraktiver Bahnhofsvorplatz mit Aufenthaltsqualität. Attraktive Querungsmöglichkeiten würden durch die vorgenannte naheliegende E0 und E +1 Lösung dann automatisch vorhanden sein.

5.4
ja, markantes Bahnhofsgebäude

5.5
Ja, reduzierung der Friedrich-Ebert-Strasse, Neuorganisation der Haltestelle jedoch MIT grosszügiger Überquerungsmöglichkeit der Strasse

5.6
Ja, Zugangsgebäude mit Vorplatz und Vorfahrten im Westen.

Zu Punkt 6.2
Die Grundlagen zur Auslobung des Realisierungswettbewerbs müssen demnach auch verändert werden:

1. Empfangsgebäude mit Bahnhofshalle und Überquerung, resp. Unterführung.
Muss in jedem Fall in der Trägerschaft der Stadt/Investor sein, da von der Bahn nicht zu erwarten ist, dass sie eine für die Stadt attraktive Unterführung bezahlt.

2. Passage zur Innenstadt oder Überquerung der Friedrich-Ebert-Strasse, je nach Ausgang des WB aus Punkt 1

3. Westzugang, ebenfalls in Abhängigkeit des Ausgangs aus Punkt 1

4. Dientsleistungszentrum am Bahnhof.

Da man bei keinem der Punkte die Trägerschaft alleine der Bahn überlassen sollte, könnte über eine Projektpartnerschaft bei Punkt 1 und 2 verhandelt werden.

Wie sagte schon Arno Lederer bei unserer Podiumsdiskussion:
Die Ulmer sollen wie die Münsterbauer denken und nicht wie die Maulwürfe

www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Beim-City-Bahnhof-wie-die-Muensterbauer-denken-id8017346.html

 

20120417_fbasitzungtischvorlage.pdf

Winfried Bissels(Gast), 23.04.2012, 10:32

Bei der Neuen Mitte wird immer betont, dass die Trennung durch die Verkehrsschneise Neue Straße jetzt überwunden sei. Warum gilt das nicht am Ulmer Hauptbahnhof? Warum sollen jetzt viele Millionen ausgegeben werden mit dem Ergebnis, dass vor dem Hauptbahnhof auch weiterhin hauptsächlich Platz für Autos ist und dass Fußgänger nur sehr umständlich in die Fußgängerzone kommen? Und wenn die Stadt in letzter Zeit immer betont hat, dass sie „bürgerfreundlich“ sei, dann sollte sie einen Bürgerentscheid abhalten zu der Frage, ob in Zukunft vor dem Bahnhof Autos oder Menschen unter die Erde sollen. Da es sich hier laut Südwest Presse um ein „Jahrhundertprojekt“ handelt, sollte die Bevölkerung hierzu auch befragt werden. Und zwar rechtzeitig, nicht – wie bei S21 – wenn schon zu vieles festgelegt ist.

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Ein Kommentar zu „City Bahnhof – die Pflöcke sind gesetzt

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