Teil 13: Baukunst oder Wohnkultur?

Vor ca. einem Jahr gab es im Roxy eine Podiumsdiskussion zum Thema „Ulmer Architektur: zwischen Baukunst und Wohnkultur“.

Eingeladen waren Baubürgermeister Alexander Wetzig, Denkmalpfleger Dr. Kolb, Architektenkollege Peter Fink und ich.

Wir setzten in Ulm durchaus einen sehr hohen Anspruch an die architektonische Gestaltung durch, allerdings bleiben dabei aus meiner Sicht 3 Dinge erheblich auf der Strecke und sollten in Zukunft wesentlich mehr Gewicht bekommen:

1. Bürgerbeteiligung: diese kann nicht nur bei den Projekten vorbildlich durchgeführt werden, bei denen kaum Widerstand zu erwarten ist und bei denen die Stadt mit Veränderungen gut leben kann. Gerade die strittigen Vorhaben müssen offen angegangen werden, auch wenn dann dabei etwas anderes herauskommt als der Gemeinderat irgendwann mal beschlossen hat:  Repräsentative Demokratie allein reicht heutzutage nicht aus, zumal der aktuelle Rat schon längst nicht mehr die Ulmer Gesellschaft repräsentiert. (Alter, Berufe, Gender …)

2. Die unsägliche Abrissmentalität: naturlich ist es viel einfacher, Gebäude einfach abzureißen und neu zu erstellen. Aber auch das ist längst nicht mehr zeitgemäß. Wenn heute Gebäude abgerissen werden, deren Erbauung selbst 30-jährige noch miterlebt haben, hat das rein gar nichts mit Nachhaltigkeit zu tun. Wir Deutschen waren immer stolz auf unsere Bauweise für Jahrhunderte (Im Gegensatz zu den Sperrholz- und Pappebauten aus anderen Ländern), also müssen wir auch Jahrhunderte damit leben und schauen wie wir sie zeitgemäß verändern können.
Ich stelle mir vor wie es ist, wenn in 30 Jahren die Neue Mitte und die Sedelhöfe wieder abgerisen werden….

3. Wohnungsbau: Es wird über die expoldierenden Baukosten gejammert und diese werden dann auch dafür verantwortlich gemacht, dass die Mietpreise entsprechend anziehen. Teure Gestaltungsfirlefränze werden dann natürlich als erstes wegrationalisiert. Aber leider oft auch sinnvolle/nachhaltige Ausführungsweisen wie z.B. zweischalige Außenwände anstatt Styrobordämmung. Nur wenn Bund, Land UND KOMMUNE !!! finanzielle Unterstützung bieten, kann dem entgegengesteuert werden. Da hat Ulm noch Einiges zu tun!

 

Architektur-Debatte im Roxy: „Ulm hat etwas Weltläufigkeit“

Altes und Neues, Tradition und Moderne verbinden sich in Ulm auf ganz hervorragende Weise. Das ist das Fazit einer Architektur-Debatte im Roxy. Und: Es werden zu wenig bezahlbare Wohnungen gebaut.

HANS-ULI MAYER | 14.05.2013

„Ja, Ulm ist eine schöne Stadt“, antwortete Baubürgermeister Alexander Wetzig am Sonntag bei einer Architektur-Debatte im Roxy auf eine entsprechende Frage – und niemand wollte oder konnte ihm widersprechen. Denkmalschützer Dr. Günter Kolb vom Regierungspräsidium in Tübingen ging sogar einen Schritt weiter in seinem Lob über die Ulmer Stadtplanung und -gestaltung und attestierte vor etwa 100 Zuhörern, „Ulm hat ein wenig Weltläufigkeit.“

Ulmer Architektur: zwischen Baukunst und Wohnkultur, lautete das Thema der von SÜDWEST PRESSE-Redakteurin Dana Hoffmann moderierten Veranstaltung. Und in einem Punkt waren sich alle vier Redner auf dem Podium – zu Wetzig und Kolb auch noch Architekt Peter Fink und Architektin und Stadträtin der Grünen, Annette Weinreich – einig: die Verbindung von Alt und Neu, von Tradition und Moderne ist in Ulm rundum gut gelungen. Dies als Architekt umzusetzen sei in Ulm zwar eine Herausforderung, sagte Fink, aber eine, für die es beispielsweise von der Stadtverwaltung große Freiheiten gebe, moderne Gebäude in gewachsene Strukturen einzufügen.

Allein bei der Frage der Bürgerbeteiligung gingen die Sichtweisen dann doch etwas auseinander. Denn nicht in allen Fällen würde dies ähnlich gut funktionieren, wie bei der Umgestaltung der Neuen Mitte vor Jahren, bemängelte Stadträtin Weinreich. Sie sieht zudem eine gewisse „Abriss-Mentalität“ und plädiert für eine behutsame Stadterneuerung. Nicht alle der so genannten Skelett-Bauten der 50er und 60er-Jahre müssten beseitigt werden, es gebe durchaus Möglichkeiten, auch diese Bausubstanz den energetischen Anforderungen der Zeit anzupassen.

Ein gelungenes Beispiel hierfür sieht der Denkmalschützer Kolb in der Sanierung der Fachhochschule, also des Behnisch-Baus, der in den vergangenen zehn Jahre sehr gut angepasst worden sei. Ganz grundsätzlich gehe es dabei um den Wunsch, die Stadt nicht immer nur an den Rändern zu erweitern, sondern vor allem im Inneren zu verdichten. Ohne Eingreifen der Stadt wäre auf dem Areal der Schwabengarage an der Marchtalerstraße ein Supermarkt gebaut worden. Jetzt entstehen dort Wohnungen, lobte Fink.

Bei aller Anerkennung über die in Ulm geförderte Baukunst, gibt es Kritik am Wohnungsbau. Tatsächlich, räumte Wetzig ein, sei da in den letzten Jahren zu wenig getan worden. Im „Land der Häuslebauer“ stand der Mietwohnungsbau nicht gerade im Fokus. Dennoch gebe es ein breites Angebot in der Stadt, in der nicht nur teure Wohnungen gebaut werden, wie manche Kritiker sagen.

Ein Eindruck, dem sich Annette Weinreich nicht anschließen wollte. In Ulm gebe es nur 2000 sozial geförderte Wohnungen, der Bedarf liege aber bei 7500. Und auch bei der Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS) zeige sich der große Bedarf. Etwa 1300 Anfragen nach bezahlbaren Wohnungen gebe es jährlich, vergeben würden gerade einmal 400. Allein vor diesem Hintergrund bemängelte die Bundestagskandidatin der Grünen vehement, dass die Stadt keinen Antrag an das Land gestellt habe, in das Wohnraumförderprogramm aufgenommen zu werden.

Ein Punkt, an dem Wetzig nicht groß widersprechen konnte. Er sprach der grün-roten Landesregierung allerdings zu, mit der Neuregelung auf dem richtigen Weg zu sein und die Richtlinien deutlich entbürokratisiert zu haben. Wetzig: „Die jetzige Regierung hat da eine große Altlast übernommen.“

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