Zum Bahnhofsplatz

Wieviel Zeit, Arbeit und Hirnschmalz wurde in die Planung des Bahnhofvorplatzes gesteckt:

Workshops, Wettbewerb, Beschlüsse…..

Und jetzt soll alles wieder umgeworfen werden? Ich kann diesen Schritt nicht nachvollziehen und habe auch gegen die vorgeschlagene Lösung gestimmt. Was sind unsere Wettbewerbe noch wert, wenn sie durch eine, von der Verwaltung erstellten Arbeitsskizze obsolet werden?

Siehe auch:

Am Bahnhof sollen fünf Dächer kommen

Am Bahnhof sollen fünf Dächer kommen

Hans-Uli Thierer | 3 MEINUNGEN

Abschied von einem großen, transparenten Dach, das einst über 120 Meter hinweg die Straßenbahn- und Bushaltestelle überspannen und prägendes  städtebauliches Element eines neuen Ulmer Bahnhofsplatzes werden sollte. Dieser preisgekrönte Vorschlag (siehe Info-Kasten) der Architekengemeinschaft Hullak/Rannow (Ulm) und Hummert (Hannover) ist gestern nach hartem Ringen von einer Mehrheit im Fachausschuss für Stadtentwicklung aufs Abstellgleis geschoben worden.

Das Gremium entschied sich mit 7 zu 4 Stimmen  bei Enthaltung Helga Malischeswkis, FWG, für eine durch die Verwaltung unter zähneknirschender Mitwirkung von Hullak/Rannow entwickelte Alternative: vier kleinere Dächer am Nahververkehrshalt, plus größere Überdachung  am Eingang zum Bahnhof. Für diese Lösung stimmten die übrigen drei FWG-Stadträte, beide SPD-Stadträtinnen und zwei Grüne. Deren Fraktionärin Annette Weinreich plädierte hingegen mit den drei CDU-Vertretern für das Festhalten am Wettbewerbsentwurf von 2013.

Nachdem der Gemeinderat die heiß umkämpfte Frage, wie viel Spuren die Friedrich-Ebert-Straße haben soll, mit einer Dreier-Lösung beantwortet hat, wurde nun in kleinerer Fachausschuss-Runde nicht minder angestrengt debattiert. Wie ernst Stadtspitze und Stadträte die Angelegenheit nehmen, zeigte sich darin, dass bis zum Sitzungsbeginn die Köpfe über die Fraktionen hinweg zusammengesteckt wurden. Vor der Sitzung war sogar noch der Ältestenrat einberufen worden.

In der Sache folgte die Mehrheit, angeführt durch Gerhard Bühler (FWG),  Dorothee Kühne (SPD) und Denise Niggemeier (Grüne), den durch Baubürgermeister Tim von Winning vorgetragenen  Argumenten. Er hält zwar den Wettbewerbsentwurf für ausgezeichnet, machte aber funktionale Bedenken geltend und wies auf veränderte Ausgangslagen hin. Eine davon: 2013 war noch auszugehen von einem neuen Bahnhofsgebäude und einer Passage von der City bis zur Schillerstraße unterm Bahnhof. Beides kommt nicht, so dass nun eine  Überdachung am Bahnhofsgebäude und vor der Unterführung (Winning: „Es bleibt beim Mauseloch“) zwingend werde, um trockenen Hauptes in Ulm empfangen zu werden. Dieser Darstellung widersprachen Thomas Kienle (CDU) und Annette Weinreich (Grüne) heftig. Kienle:  „Wir wollen keine  knausrigen, bescheidenen Tankstellendächer. Das Büro wird gezwungen, seinen Entwurf zum Torso zu degradieren.“

Juristische Frage Es ist der preisgekrönte Entwurf, der aus einem europaweiten Wettbewerb hervorgegangen war, der gecancelt wurde. Noch dazu stammt der Vorschlag eines großen, 120 Meter langen Daches über der Haltestelle von einem Ulmer Büro (Hullak/Rannow) unter Mitwirkung eines Büros aus Hannover  (Hummert). Bürgermeister Tim von Winning und auch alle Befürworter der neuen Lösung sagten, es falle schwer, sich davon zu verabschieden. Auch aus moralischen Gründen, hinter der die Frage steht: Geht man so mit einem Wettbewerbsergebnis um? Noch deutlicher wurden in dieser Hinsicht die Wortführer der Großdach-Lösung, Thomas Kienle (CDU) und Annette Weinreich (Grüne).   Sie sehen wie Helga Malischewski die in Ulm hochgehaltene Wettbewerbskultur gefährdet. Rein juristisch sieht von Winning weniger Risiken bei den betroffenen Ulmer Architekten. Bernd Hullak und Jens Rannow sind an der Neuentwicklung beteiligt. Dass ihr Honorar bei der jetzigen kleinen, weil billigeren Lösung (Zahlen wurden  nicht genannt) geringer ausfällt, solle über eine ausgleichende Vergütung geklärt werden. Offen aber ist, ob andere Wettbewerbsteilnehmer sich juristische Schritte vorbehalten.

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